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Paul-Henri Thiry d’Holbach



© Collection Jean-Jacques Monney, Genève

Paul-Heinrich Thiry Holbach

* 8. Dezember 1723 in Edesheim

gest. 21. Januar 1789 in Paris

 

Am alten Edesheimer Schulhaus steht auf einer Tafel zu lesen: ,,Dem Andenken von Paul Thierry, Freiherrn von Holbach, Philosophen und Enzyklopaedisten, geboren zu Edesheim Dezember 1723, gestorben zu Paris im Januar 1789.‘ In Edesheim wurde dieser weithin unbekannte Philosoph geboren, den der jüdische Schriftsteller Moses Hess, zeitweiliger Mitarbeiter von Karl Marx, in einer Reihe mit Rousseau, Voltaire, Lessing, Heine und Hegel nennt. Holbach war ein ausgemachter Gegner der Religion, ein radikaler Atheist und Materialist.

 

In seinem 1770 erschienenen bedeutendsten Werk ,,System der Natur”, der “Bibel des Atheismus”, wie es genannt wurde, legt er seine Gedankengänge in klaren Aussagen nieder. Er leugnet sämtliche Gottesbeweise, auch vom Deismus hält er nichts. Nach seiner Ansicht ist alles, was existiert, Materie, die nicht geschaffen wurde und sich stets in Bewegung befindet. Eine Seele gibt es nicht. Er schreibt ,,Je mehr wir nachdenken, um so mehr werden wir überzeugt, daß die Seele überhaupt nicht vom Körper unterschieden werden kann, sondern daß sie nur der Körper selbst ist solange er Leben besitzt. Der Mensch kann mit einer empfindungsfähigen Harfe verglichen werden, die von selbst Töne von sich gibt und sich fragt, wer sie an ihr hervorgerufen hat. Sie sieht nicht, daß sie als empfindungsfähiges Ding von selbst schwingt und daß sie von allem, was sie berührt, in Schwingung versetzt und zum Tönen gebracht wird.” Für Holbach hat der Gottesbegriff keinen Sinn, und Religion und Theologie sind nur dazu da, die Leichtgläubigkeit und Torheit der Menschen für die Priester auszunutzen. Holbach will den Staat von jeder Beeinflussung durch die Religion freimachen. Der Glaube gilt ihm gar nichts, er setzt auf die Naturgesetze.

Nach seiner Philosophie existieren gravierende Unterschiede zwischen den Menschen, die zu Ungleichheiten führen, welche die Grundlage der Gesellschaft bilden. Holbach ist unbestritten ein Wegbereiter der französischen Revolution und des Marxismus-Leninismus. Marx und Engels studierten seine “Bibel des Atheismus”. Wie kam es, daß Holbach ein solch glühender Feind der Religion wurde? Sein Onkel Franz Adam Holbach hatte sich in Paris ein großes Vermögen erworben, auch den Adelstitel und ließ in Edesheim das Schloß Kupperwolf bauen. Er konnte es sich leisten, für die Unterrichtung des jungen Paul einen französischen Geistlichen anzustellen. Wie der damalige Pfarrer von Edesheim, Krelein, seinem Bischof in Speyer, dem Kardinal Damian Hugo von Schönborn, berichtete, war der Franzose Anhänger des Jansenismus, einer religiösen Bewegung, gegen die die Bulle “Unigenitus” gerichtet war. Der französische Geistliche konnte vor den Beamten des Bischofs nach Rhodt fliehen, das ja nicht dem Bischof von Speyer gehörte. Paul wurde von seinem Onkel nach Paris mitgenommen, wo ,,er eine vorzügliche Erziehung” genoß.

 

Am 10. Januar 1744 ließ sich ,,Paulus von Holbach, Baron Palatinus” an der holländischen Universität Leyden einschreiben.

 

Vier Jahre später zog Paul nach Paris, wo er sich endgültig niederließ und die französische Staatsbürgerschaft erwarb. Er wird der Freund Diderots und Mitarbeiter der Enzyklopädie, des berühmten französischen Nachschlagewerkes. Von ihm stammen etwa 400 Artikel, die zum Thema Geologie, Mineralogie und Chemie hatten. Holbach war auch ein bedeutender Übersetzer.

 

Am 3. Februar 1750 heiratete Holbach mit einer päpstlichen Sondergenehmigung (seine Arbeiten standen auf dem Index) Basile-Genevieve-Suzanne d‘Aine, ein Jahr später schon starb die junge Frau.

 

1756 heiratete HoIbach eine Schwester seiner ersten Frau, Charlotte-Suzanne d’Ame. Sie wurde als charmante Gastgeberin gerühmt.

 

1766 erschien unter falschem Namen ,,Das entschleierte Christentum”, über das M. Grimm urteilt “das kühnste und schrecklichste Buch, das je auf der Welt erschienen ist”, und Abbé Bergier schreibt: ,,Der Autor hat sich dazu entschlossen, die Schwelle zu überschreiten, ohne Umschweife die Nutzlosigkeit jeder Religion zu behaupten und die Grundlagen der Moral und der Geschichte nur auf die bürgerlichen Gesetze zu stehen. Es handelt sich um einen bis zum äußersten entschlossenen wütenden Philosophen der, aufrichtiger und konsequenter als die anderen, im höchsten Maß absolut irreligiös ist.” Wie sehr man gegen dieses Buch vorging, wird deutlich, wenn man hört, daß ein Apothekergehilfe zu neun Jahren Galeere verurteilt wurde, nur weil er ein Exemplar verkauft hatte.

 

1773 erscheint ,”Die natürliche Politik”, 1776 “Die universelle Moral” und im gleichen Jahr die ,”Ethokratie”.

In der ”Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts” steht zu lesen: ,Die Freunde nannten Holbach mit einem Witzwort Galianis den Maitre d‘hôtel de la philosophie. Jeden Sonntag und Donnerstag Diners von zehn bis zwanzig Personen. Vortreffliche Küche, ausgezeichneter Wein und Kaffee. Meist blieb man von zwei bis acht Uhr beieinander; viel lebendige Streit-und Wechselreden. Man sprach mit unbefangenster Freiheit von allen Fragen der Religion, Philosophie und Politik. Zuweilen ergriff ein einzelner das Wort und trug eine zusammenhängende Lehre vor, ohne unterbrochen zu werden; in anderen Fällen fand zwischen den Meinungsverschiedenheiten ein förmlicher Zweikampf statt, welchem die anderen mit Spannung folgten.” Der ,,Salon HoIbach” war bekannt als ein renommierter, internationaler Treffpunkt der geistigen Elite jener Tage. ,,In seinem Hause sammelten sich die markantesten literarischen Persönlichkeiten Frankreichs”, stellte Abbé Andre Morellet fest. Und Diderot meint so: ,,Hier kommt alles zusammen, was die Hauptstadt an ehrenhaften und klugen Leuten zählt. Um diese Tür offen zu finden, genügen nicht Titel oder Gelehrsamkeit, man muß auch noch dazu gut sein. Hier ist der Umgang zuverlässig; hier spricht man über Geschichte, Politik, Finanzen, Literatur und Philosophie; hier achtet man sich hoch genug, um sich zu widersprechen. Hier findet man den wahren Kosmopoliten, den Menschen, der seinen Reichtum zu nutzen weiß, den guten Vater, guten Freund und guten Gatten; hier wird jeder Fremde von Namen und Verdienst Zutritt haben und kann der feinsten und höflichsten Aufnahme sicher sein.” Holbach selbst wird von dem Schweizer Jacques Henri Meister so dargestellt ,,Alle seine Gesichtszüge waren ziemlich regelmäßig, ziemlich schön aber er war trotzdem kein schöner Mensch. Seine Stim war breit und offen wie die von Diderot; sie trug den Stempel eines umfassenden, weiten Geistes; aber sie war weniger geschwungen, weniger plastisch und bezeugte weder dieselbe Wärme noch dieselbe Energie noch dieselbe Fruchtbarkeit; in seinem Blick spiegelte sich nicht die Milde, die ständige Heiterkeit seiner Seele. Er liebte die Frauen und war sehr empfänglich für die Freuden der Tafel, ohne jedoch Sklave seiner Genüsse zu sein. Er konnte niemanden hassen; jedoch verbarg er nur mit Mühe seinen Abscheu vor den Priestern, vor allen Knechten des Despotismus und Aberglaubens.”

 

1754 wurde der Baron Mitglied der Berliner, 1766 der Mannheimer und 1780 der St. Petersburger Akademie. Nochmals sei Henri Meister zitiert: ,,Ich bin kaum einem gelehrteren und universeller gelehrten Menschen als Herrn von Holbach begegnet und nie habe ich jemanden erlebt, der es mit so wenig Ehrgeiz war, mit so geringem Verlangen, seine Gelehrtheit zu zeigen. Mit seiner Wissenschaft war es wie mit seinem Vermögen, es war für die anderen ebenso da wie für ihn, aber nie für die öffentliche Meinung und Geltung.”

 

Quelle: Victor Carl: Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten

 
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